Wiesbadener Bürger mit Migrationshintergrund haben 2012 die Akademie für Integration e.V. mit dem Ziel gegründet, Sprachkurse anzubieten. Seitdem bauen wir unser Angebot Schritt für Schritt weiter aus, um Menschen, die aus anderen Kulturen nach Wiesbaden gekommen sind, bei ihrer Integration zu unterstützen. Mittlerweile hat sich für dieses Ziel eine bunte Gruppe an Ehrenamtlichen – mit und ohne Migrationshintergrund – zusammengefunden.


Unsere Bausteine für gelungene Integration:

      • Lese- und Schreibunterricht für Analphabeten
      • Deutscher Sprachunterricht für Anfänger
      • Englischer Sprachunterricht für Anfänger
      • Seelische Beratung und Unterstützung für Frauen
      • Aufklärung von Eltern und Schülern der Oberstufe über das deutsche Bildungssystem
      • Nachhilfeunterricht für Schüler
      • Interkulturelle Veranstaltungen
      • Sport- und Freizeitangebote für Kinder und Jugendliche
      • Bewerbungstraining für Menschen mit Migrationshintergrund
      • Praktikumsbörse für Flüchtlinge
      • Gesellschaftskritische Videoclips
      • Webinar-Serie: Vereinsratgeber

„Wir müssen offen sein für andere Menschen“

Der Vorsitzende der Akademie, Dawood Nazirizadeh, erläutert im Interview, warum Integration alle etwas angeht und was sein Verein dazu beiträgt.

Was ist aus Ihrer Sicht der wichtigste Erfolgsfaktor für Integration?

Dawood Nazirizadeh
Dawood Nazirizadeh – Vorsitzender

Dawood Nazirizadeh: Ganz klar Bildung. Daher kommen wir als Verein ja auch. Wir sind davon überzeugt, dass es ohne deutsche Sprachkenntnisse sehr schwierig ist, ein aktiver Teil unserer Gesellschaft zu werden. Es geht darum, Kontakte zu Einheimischen aufbauen sowie sich bei Behörden und bei der Arbeit verständigen zu können. Deshalb haben wir damals auch damit begonnen, Sprachkurse anzubieten.

Zunächst ja in den Räumen einer Moschee. Warum dort?

Nazirizadeh: Zum einen weil wir durch Kontakte, die wir selbst in die Gemeinde hatten, dort unkompliziert Räume nutzen konnten. Zum anderen weil wir so eine Art „geschützten Raum“ für unsere Sprachschüler bieten konnten. Gerade für einige Schülerinnen war es am Anfang wichtig, zu einer Institution zu gehen, der sie vertrauen, um überhaupt mit dem Unterricht zu beginnen. Das war die Grundlage für einige tolle Erfolge. So haben bei uns schon einige Frauen und Männer, die in ihrer Muttersprache Analphabeten sind, auf Deutsch lesen und schreiben gelernt.

Mittlerweile nutzen Sie auch weitere Räume in einer Alt-Katholischen Kirche, um das Angebot an Sprachkursen weiter auszubauen. Warum konzentriert sich der Verein nicht darauf, Deutsch zu unterrichten?

Nazirizadeh: Weil wir durch unsere Arbeit mit den Sprachschülern mitbekommen haben, wo sie noch Unterstützung brauchen. Beispielsweise haben uns Zufluchtsuchende häufig berichtet, dass sie nicht tatenlos abwarten wollen, bis ihr Aufenthaltstitel geklärt ist. Sie wollen arbeiten. Deshalb haben wir, als die Bundesregierung im Sommer 2015 die bürokratischen Hürden für Praktika für Flüchtlinge verringert hat, damit begonnen, eine Praktikumsbörse aufzubauen. Arbeit ist immens wichtig für Integration. Hier können quasi nebenher Kontakte geknüpft, Sprachkenntnisse verbessert und Gebräuche und Werte gelernt werden.

Integration ist aber ja keine Einbahnstraße. Nicht nur die Neu-Wiesbadener müssen offen dafür sein, sich hier ein neues Leben aufzubauen. Was können wir als Gesellschaft tun, damit das Mammutprojekt gelingt, die vielen Flüchtlinge zu integrieren?

Nazirizadeh: Wir müssen vor allem offen sein für andere Menschen. Ich gebe ein Beispiel: Alle Gründungsmitglieder des Vereins haben einen Migrationshintergrund. Inzwischen sind aber viele Ehrenamtliche ohne Migrationshintergrund dazu gekommen – wir leben also auch Integration. (lacht) Aber mal im Ernst. Wir müssen es akzeptieren, dass viele Menschen nach Europa kommen, weil sie keine andere Wahl haben. Das wird sich so schnell auch nicht ändern. Deshalb lasst uns doch das Beste daraus machen, ganz wie in meinem Lieblingssprichwort: Wenn der Wind der Veränderung weht, bauen die einen Mauern, die anderen Windräder. Die Flüchtlinge sind für uns als Gesellschaft auch eine riesige Chance. Zum Beispiel für unseren Arbeitsmarkt, der dringend junge Kräfte benötigt, aber auch für unsere Kultur, die so noch etwas bunter wird.